Prof. Dr. B. Friemert, Ulm

Im Jahre 1992 habe ich mein 3. Staatsexamen abgelegt und bin dann in die Chirurgische Ausbildung gegangen. Damals musste erst einmal jeder Allgemeinchirurg werden. Dann habe ich mich für die Unfallchirurgie entschieden (was ich keinen Tag bereut habe) und so langsam wurde mir dann zunehmend klar, was es bedeutet, eine verletzen Patienten versorgen zu können. Fokussiert durch die Auslandseinsätze der Bundeswehr habe ich mich dann sehr intensiv mit den Thema auseinander gesetzt, was ein Chirurg, z.B. im Einsatz in Afghanistan können sollte, um die verletzten Soldaten gut versorgen zu können. Innerhalb der Bundeswehr ergab sich eine lange und sehr intensiv geführte Diskussion, ob der Chirurg nun alleine als Einzelkämpfer in den Einsatz gehen soll, oder immer mehre zusammen als VCH, UCH und Gefäßchirurg. Die Bundeswehr hat sich nun entschieden, ihre Chirurgen zu Generalisten der Notfallchirurgie auszubilden und gleichzeitig zum Spezialisten im Heimatland (Duo- Facharzt). So bin ich zu Hause Generalist für die Orthopädie/Unfallchirurgie und habe innerhalb dieses Faches zwei Schwerpunkte (Schulter/Knie) als Spezialist. Daneben besitze ich auch die Kompetenz, Notfälle in den Körperhöhlen zu beherrschen. Und ich fühle mich aufgrund meiner (sehr langen) Ausbildung auch sicher. Ich führe das nicht deswegen so deutlich aus um zu zeigen, was für ein toller Typ ich bin, sondern um deutlich zu machen, dass es möglich ist und auch real gelebt wird, auf hohem Niveau Generalist und Spezialist gleichzeitig zu sein, eben ein Zehnkämpfer. Es ist für mich ein sehr befriedigendes und auch beruhigendes Gefühl, schwerverletzte Patienten als der „Kümmere“ behandeln und verstehen zu können, sie, wie sagt man heute so schön, ganzheitlich behandeln zu können. Diese Ausbildung genießen zu dürfen ist gerade in der heutigen Zeit etwas Besonderes – ich bin froh, dass ich es durfte. Ich glaube auch fest, dass das Chirurgische Ergebnis nicht von der Menge gleichartig durchgeführter Operationen abhängt, sondern von der Frage, mit welcher Liebe ich selbige durchführe und von der Gesamtzeit, die ich in meinem chirurgischen Leben im OP verbringe.  Dazu kommt noch das Verständnis für den Patienten auch in den Chirurgischen Nachbardisziplinen (insbesondere bei der Polytraumaversorgung) und für zusätzlich erforderliche Fachgebiete (z.B. Psychologie beim Polytrauma, Geriatrie im Rahmen der Alterstraumatologie usw.). Genau diesem ganzheitlichen Anspruch wird der gerecht, der generalistisch denkt und sich so ausbilden lässt. Es geht darum den Patienten im Mittelpunkt zu haben. Ein langer Weg, heute leider nicht mehr im Fokus der Gesellschaft, aber ein sehr lohnender und äußerst befriedigender Weg!

 

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